
Der Tauchplatz ist nur mit einem Boot erreichbar.
April - Oktober, meistbetaucht im Juli
Sporttauchausrüstung, Signalboje, Nitrox Tauchgang
Am Morgen des 13. August 1914 herrschte rund um die Brijuni-Inseln reger Verkehr. Auch der Mienenleger Basilik trieb sein Unwesen und verlegte eine Reihe von Mienen zum Schutz des k. und k. Kriegshafens Pula.
Die Baron Gautsch machte sich, voll bemannt mit entspannten Passagieren und Crewmitgliedern, auf den Weg von Mali Lošinj Richtung Triest. Auf der Höhe des Kap Kamenjak dampfte die Gautsch aus unbekannten Gründen (vielleicht um einer schnelleren Route zu folgen) von ihrem vorgegebenen Kurs ab und direkt auf das frisch gelegte Minenfeld zu.
Die Warnpfiffe der Basilik, welche das Unglück aus der Ferne schon kommen sah, fanden keinen Empfänger.
So kam es, dass die Gautsch mit ungedrosselter Geschwindigkeit auf eine Miene lief, die mit voller Wucht auf der Backbordseite detonierte. Wenige Minuten später versank der schöne Dampfer für immer in den Händen Poseidons.
Von der Basilik sowie von der Triglav, Scepel und Balaton wurden sofort Motorbarkassen zum Unfallort geschickt, die es schafften, 159 Menschen zu retten. Für 177 Passagiere kam die Hilfe trotz des unmittelbaren Eintreffens zu spät.
Den Spitznamen “Titanic der Adria” hat sich die Gautsch mit dieser Geschichte also wohl mehr als verdient.
Es mag die größte österreich-ungarische zivile Tragödie gewesen sein, aber heute bietet die Gautsch zweifelsohne eines der spannendsten Taucherlebnisse im Mittelmeer und ist schon längst ein bedeutender Teil des Ökosystems geworden.
Sie ist über zwei Leinen meistens sogar bei Strömung gut erreichbar. Bei guter Sicht erkennt man die immense Fläche der Gautsch schon von oben, andernfalls kann man ihre imposante Größe gar nicht voll und ganz wahrnehmen.
Wenn man über das Oberdeck schwebt, sieht man die einst verglaste Decke des Passagiersalons, die heute von einer Schwammpracht zeugt, wie man sie kaum woanders sieht. Um die Davits der Rettungsboote tummeln sich dichte Fischschulen, vor allem die Mönchsfische ziehen friedlich ihre Kreise.
An der Backbordseite ist das 2x2 m große Loch, das durch die Minenexplosion entstanden ist, nicht zu übersehen und lädt regelrecht dazu ein, das Wrack zu penetrieren. Im Inneren offenbart sich ein Labyrinth aus Stahlsäulen, die Strukturen lassen die ehemaligen Räumlichkeiten noch erahnen.
Immer wieder wird man von den neugierigen Blicken der Meeraale oder Gabeldorsche überrascht, die sich das Wrack zu eigen gemacht haben.
Wer hier einen Tauchgang wagt, wird wahrhaftig überwältigt sein, sowohl von ihrer Geschichte und ihrem in die Dunkelheit der Tiefe gehüllten, majestätisch-gruseligen Erscheinungsbild, aber vor allem von der Pracht an Leben, das inzwischen jeden Zentimeter freier Fläche heimgesucht hat.
Die Mitnahme von etwaig gefunden Gegenständen im und rund um das Wrack ist strengstens verboten und die Tauchbasen sind über den Fund zu informieren.
Text: Carolina Leiter
Illustration: Sabine Probst
Pic: Felician Hosp