
Du bist beim Tauchen ganz hingerissen von den Farben der Unterwasserwelt und haltest sie mit der Kamera fest. Dann bist du am Boot und schaust dir die Aufnahmen an und deine Euphorie verfliegt, denn die ganzen sind verschwunden, stattdessen sieht alles nur eintönig grün-bläulich aus. Du erkennst dich wieder? Dann bist du bei uns genau richtig.
Wir wissen, dass Licht aus mehreren Wellenlängen besteht. Wir kennen auch das Farbspektrum des Lichts, nämlich von für uns Menschen nicht sichtbaren Ultraviolett über Blau, Grün, Gelb und Rot bis zum wiederum unsichtbaren Infrarot. Wenn Licht, zum Beispiel Sonnenlicht, auf die Wasseroberfläche trifft, dann werden manchen Wellenlängen absorbiert, also aufgenommen, manch andere werden reflektiert, also zurückgeworfen. Mit zunehmender Tiefe werden immer mehr Farben vom Wasser absorbiert, also das Wasser nimmt sozusagen die Energie des Lichts auf und verschluckt es.
Welche Farben weiter in die Tiefen vordringen hängt von ihrer Wellenlänge ab. Die Wellen der Farben Blau (60m) und grün gelangen am tiefsten ins Wasser, während gelb, orange und rot (ca. 6m) schon im recht seichten Wasser für das menschliche Auge “verschwinden”. An alle Schnorchler da draußen: an der Wasseroberfläche spürt ihr die Wärme des Sonnenlichts, aber sobald ihr auch nur einen Meter abtaucht verschwindet sie, oder? Daran erkennt ihr, dass die wärmende Infrarotstrahlung des Sonnenlichts als erstes vom Wasser verschluckt wird.
Es gilt also folgende Regel unter Wasser: je kürzer die Wellenlänge, desto tiefer dringt sie in das Wasser. Ab ca. 60 m Tiefe werden alle Farben absorbiert und die Umgebung ist für uns Menschen Schwaz (diese Gegebenheit nennt man übrigens Extinktion). Die gleiche Regel gilt nicht nur in der Vertikalen, sondern auch in der Horizontalen, deshalb ist die Sichtweite allein schon wegen der Lichtabsorption auf eben diese 60 m begrenzt.
Aber zum Glück gibt es einen ganz einfachen Trick, um die Farben wieder “herbeizuzaubern”. Wir müssen einfach nur unser eigenes Licht mit in die Tiefe bringen und schon offenbart sich uns die Schönheit der Unterwasserwelt in all ihren Farben. Also nimm am besten Lampen mit, die du dann auf dein Motiv richtest, oder fotografieren mindestens mit Blitz. Den besten Effekt erzielst du übrigens auch, wenn du darauf achtest, dass dein Motiv einen hohen Kontrast zum Hintergrund bildet. Außerdem solltest du den Weißabgleich anpassen, damit die Farben so realistisch wie möglich aussehen.