Vom Ufer aus ins offene Meer in rund 20 Metern Tiefe – hier findet man an den meisten Stellen des Meeres das Habitat Schlammboden.

“Blauer Planet” - genauer betrachtet müsste es eigentlich “brauner Planet” heißen, denn der größte Teil aller Meeresböden der Erde ist von Schlamm bedeckt.
Diese große Fläche an Schlamm entstand über tausende von Jahren, in denen die Schlammpartikeln aus den flacheren Bereichen der Meere in tiefere Gefilde hinein gespült wurden.
Aufgrund der Wassertiefe erreicht nur wenig Sonnenlicht den schlammigen Meeresboden, weshalb es für Algen oder Seegras hier gänzlich unattraktiv wird. Ganz ausgestorben ist es hier unten aber nicht: Einige festsitzende Tiere haben sich auf den schlammigen Gründen häuslich eingerichtet und ernähren sich von Schwebepartikeln. Diese Partikel bestehen aus abgestorbenen Tier- und Algenresten sowie aus Kot und sinken von den oberen Wasserschichten langsam hinab zum Grund - deshalb werden sie passenderweise auch als “Meerschnee” bezeichnet.
Aber wie gelingt es den Lebewesen, im Schlamm nicht zu versinken? Dafür haben sie ihre ganz eigenen Techniken entwickeln: Schwämme und Seescheiden etwa bauen sich kleine Plattformen, auf denen sie leben. Andere Tiere wie Haar- und Schlangensterne, Muscheln, Krebse oder Seegurken nutzen diese sicheren Inseln als Hilfe, um die im Wasser schwebenden Partikeln besser fangen zu können.
Auch die Häuser von Einsiedlerkrebsen geben diesem Lebensraum Struktur. So sind sie eine beliebte Anlaufstelle für Schwämme, Moostierchen und Anemonen, die sich auf dem “Hausdach” der Einsiedlerkrebse vergesellschaften.
Im Schlamm versteckt lebt eine Vielzahl an kleineren Bewohnern: Muscheln, Schnecken, Krebse und Würmer wühlen sich stetig durch den Boden und suchen nach kleineren Nahrungspartikeln, während sie bei Anwesenheit von Fischen oder Kopffüßern selbst zu Gejagten werden.
Allerdings kann unter dem Schlamm schon mal eine Überraschung warten: Auch meter-große Rochen schätzen es sehr, sich unter einer Schlammschicht zu verstecken - wenn sie sich erheben und ihre Schwingen ausbreiten, gibt das zusammen mit der um sie wirbelnden Schlammwolke ein sehr imposantes Schauspiel ab.
Ich bin das Produkt aus feinstem Sediment, also unzähligen kleinen, feinen Partikeln, die von der Küste ins Meer gespült werden und überall dort liegen bleiben, wo es keine starken Wasserbewegungen mehr gibt.
Text: Carolina Leiter