Korallenriffe sind die schüchternen Gärten der Ozeane, versteckt in den tropischen Gewässern der Erde.
Sie finden sich am liebsten an den Küsten des Roten Meeres, Indopazifik, der Karibik und Australiens, wo das Sonnenlicht in das klare Wasser sinkt und das Leben zum Erblühen bringt.
Diese Riffe erstrecken sich über weite Landstriche, oft auch in Gebieten, in denen es wenig Phytoplankton gibt und sind damit regelrecht Oasen als inmitten der Ozeane.
Sie fühlen sich in flachen, ruhigen Gewässern am wohlsten.
Auch im Mittelmeer gibt es Korallen; zwar nicht so weitläufige, artenreiche Kolonien, aber sie sind mindestens genauso schön anzusehen.
Auschlaggebend für ihr Wachstum ist unter anderem die Wassertemperatur, die darf im Durchschnitt an der Wasseroberfläche auch im kältesten Monat des Jahres nicht unter 20°C liegen.

Korallenriffe sind Wächter der Küsten und die produktivsten Lebensräume der Erde.
Sie sind Heimat, Nahrungsgründe und Kinderstube und damit Existenzgrundlage für 25% aller Meeresbewohner.
An die 500 Millionen Menschen weltweit sind vom Fischfang, der dank des Lebensraumes Korallenriff ertragreich ausfällt, abhängig.
Da diese winzigen Helden die Kraft der Wellen absorbieren, sind sie eine natürliche Barriere gegen Stürme.
Übrigens sind Korallen auch für die Forschung relevant. Das genetische Material der Acropora Koralle stimmt zu 48% mit dem der Menschen überein.
Das mag überraschend klingen, aber es zeigt wie viele grundlegende biologische Prozesse zwischen verschiedenen Lebensformen – sogar über große evolutionäre Entfernungen hinweg – geteilt werden.
Diese Ähnlichkeit im genetischen Material bezieht sich auf grundlegende Gene und Mechanismen wie Zellwachstum und -Teilung.
Obwohl sie nur 0,2% der Meeresfläche bedecken, beherbergen Korallenriffe 30% der marinen Artenvielfalt.
Während sich kleinere Fische wie Clownfische oder Papageienfische, die mit ihren scharfen Zähnchen das Riff reinigen, ihren Weg durch das Ästelabyrinth der Korallen suchen, schweben Rochen lautlos über sie hinweg.
Hummer, Krabben, Seesterne, Seeigel, Seegurken treiben ihr Unwesen zwischen den Korallenbäumen und Seeanemonen, Schnecken und Algen fügen sich mit ihrer eigenen Farbintensität wunderbar ins bunte Riff ein.
Ein Riff ist eine untermeerische Erhebung aus biogenem Kalkstein (Calciumcarbonat) oder Dolomit (Magnesiumcarbonat, Calciumcarbonat).
Die Hauptakteure beim Riffaufbau sind die Korallen, die im folgenden Abschnitt dieser Arbeit im Detail behandelt werden.
Neben den Korallen der Klasse Anthozoa tragen auch andere Meerestiere zur Bildung des Riffs bei.
Zu den Beispielen gehören verkalkte Rotalgen und Grünalgen, Einzeller, Prokaryoten, Schwämme, Moostierchen mit Kalkskeletten sowie Borstenwürmer mit Kalkröhren.
Die Korallenriffe lassen sich in verschiedene Typen unterteilen, von denen die größten Unterkategorien folgende sind:
1. Flache Riffe: Diese Riffe erstrecken sich direkt an der Küste und sind durch seichte Gewässer vom Festland getrennt. Sie sind die häufigsten Riffarten und kommen oft in tropischen Regionen vor.
2. Lagunenriffe: Sie verlaufen in einem gewissen Abstand zur Küste und sind durch eine Lagune (eine flache Bucht) vom Land getrennt. Ein bekanntes Beispiel ist das Great Barrier Reef vor Australien.
3. Atolle: Diese Riffe bilden einen Ring um eine Lagune und entstehen häufig auf den Überresten versunkener Vulkane. Sie sind in tropischen Meeren weit verbreitet, besonders im Indopazifik.
Text: Carolina Leiter