Weltweit sind die Küsten gezeichnet von Ebbe und Flut - genau diese Bereiche nennt man Gezeitenzonen.
Sie sind mal vollständig von Wasser bedeckt, mal komplett der Luft ausgesetzt.

Faszinierenderweise ist es die Anziehungskraft von Sonne und Mond, die die gewaltigen Wassermassen auf der Erde verschiebt.
Auf der ganzen Welt haben diese regelmäßigen Schwankungen des Wasserspiegels maßgebliche Auswirkungen auf die Küstengebiete.
Die Gezeitenzone gilt als extremer Lebensraum, dessen Bedingungen nur wenige Organismen standhalten können. Ständige Wasserbewegung, phasenweises Austrocknen und enorme Sonneneinstrahlung machen ein Überleben in der Gezeitenzone alles andere als einfach.
Zu den hartgesottenen Lebewesen, die diesen Bedingungen erfolgreich trotzen, gehören unter anderem festgewachsene Tiere wie Seepocken und Miesmuscheln, die oft flächendeckend Felsen bewachsen (Gruppenstärke!).
Außerdem wachsen hier besonders viele Algen, da die Gezeitenzone für sie optimale Lebensbedingungen bereithält: Algen lieben den hochfrequenten Wasseraustausch und viel Sonnenlicht.
Durch viele Nährstoffe, die vom Ufer, aber auch von oben geliefert werden (Stichwort Vogelkot), brauchen sie sich um Nahrungsquellen keine Sorgen zu machen. Allerdings haben diese Algen meist kein langes Leben, da sie wiederum die Hauptnahrungsquelle von vielen Tieren sind, die in der Gezeitenzone leben.
Eine renommierte Überlebensstrategie in den Gezeiten lautet: in Bewegung bleiben! Krabben und Krebse sind wahre Meister darin: In Phasen der Ebbe suchen sie nämlich Felsspalten auf, in denen Wasser zurückbleibt und sind so vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt.
Die Fische und Krebse, die in der Gezeitenzone leben, laufen ständig Gefahr, als Futter für die Meeresvögel zu enden - für Möwen und Kormorane sind diese Tiere beliebte Opfer, da sie einfach zu erspähen und zu fangen sind.
Insektenliebhaber aufgepasst - die Gezeitenzone ist eine der wenigen Habitate des Meeres, in denen sich auch Insekten gerne ansiedeln, wie zum Beispiel die Zuckmücken.
Die Gezeitenzone ist das Herrschaftsgebiet der Schleimfische, sie verteidigen hier vehement ihr Revier. Sie schaffen es, sich über dem Fels im sehr seichten Wasser fortzubewegenn - das schließt Luftkontakt von Zeit zu Zeit nicht aus. Das halten diese Tiere allerdings sehr gut aus - manche Arten können sogar Luft atmen. Durch ihre dicke Schleimschicht sind sie außerdem gut vor Austrocknung an der Luft geschützt.
Ich bin die felsige Küste, an der sich der Meeresspiegel in einem Rhythmus von sechs Stunden stetig hebt und senkt. Meine vielen kleinen Löcher und Höhlen werden also manchmal mit Meerwasser gefüllt, während sie manchmal komplett ausgetrocknet sind.
Text: Carolina Leiter