Wo sich Salz- und Süßwasser treffen, begrüßen wir das Brackwasser.
Das Brackwasser hat seinen Weg noch nicht so recht gefunden – an Orten wie Häfen und Flussmündungen ist das Wasser weder so süß wie in Seen und Flüssen, noch so salzig wie in den Meeren. Für uns Menschen sieht das trübe und braune Brackwasser meist weniger einladend aus.


Die Stellen, an denen Flüsse vom Festland ins Meer münden, sind ein ganz besonderer Lebensraum. Starke Schwankungen des Salzgehaltes, hoher Eintrag von Dünger und Sediment sind hier ganz normal. Schlamm, Sand und Kieselsteine, die zuvor Geröll waren, werden von der Wasserbewegung des Flusses zerkleinert und bis zum Meer mitgespült. Dadurch wird das Wasser hier sehr trüb und der Boden kann kaum besiedelt werden.
Allerdings sind diese Gebiete wesentlich nährstoffreicher als andere: Das viele tote Tier-und Pflanzenmaterial, das hier angespült wird, ist ein Paradies für große Phytoplanktonblüten.
Das süß-salzige Brackwasser macht es seinen Bewohnern nicht gerade einfach: Wer hier überleben will, muss sich wirklich anpassen können. Alle anderen sind hier nur vorübergehend zu Besuch.
Salzwasserfischen fällt es nicht schwer, im Süßwasser Heimat zu finden - sie wandern sogar ganze Flüsse entlang. Bei den Süßwasserfischen sieht das allerdings anders aus: Sie können im Salzwasser nicht überleben.
Jungfische ziehen sich gerne ins Brackwasser zurück, weil sie dort vor vielen anderen Meeresbewohnern geschützt sind, die dort nicht leben können. Aber wie die Natur das so will, ziehen andere Räuber daraus ihren Vorteil: Wasservögel finden hier im Brackwasser Krebse und Jungfische in Hülle und Fülle.
Ich würde mich selbst umgangssprachlich als Mischwasser bezeichnen, denn mein Salzgehalt ist weder so hoch wie im Meer, noch so niedrig wie in Flüssen oder Seen. Dadurch, dass ich ständig in Bewegung bin, verursache ich einen regelrechten Strudel aus Organismen, die mich mit Nährstoffen anreichern.
Text: Carolina Leiter