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Im Mittelmeer und sonst nirgends – das unscheinbare Neptunsgras ist tatsächlich eine mediterrane endemische Art. Wirkliche Vertreter des Pflanzenreichs sind im algendominierten Meer eine Seltenheit. Diese Blütenpflanze ist jedoch so erfolgreich, dass es einen eigenen Lebensraum, die Seegraswiesen bildet.

Lebensraum


Besondere Merkmale

Im Mittelmeer und sonst nirgends – das unscheinbare Neptunsgras ist tatsächlich eine mediterrane endemische Art. 
Wirkliche Vertreter des Pflanzenreichs sind im algendominierten Meer eine Seltenheit. Diese Blütenpflanze ist jedoch so erfolgreich, dass es einen eigenen Lebensraum, die Seegraswiesen bildet. Mit ihrem dichten Rhizomgeflecht verfestigt sie Sandbänke und produzieren große Mengen Sauerstoff, pro Quadratmeter 1 bis 14 Liter am Tag. 
Der einzige Verwandte wächst in Australien und trägt den wissenschaftlichen Namen Posidonia australis. 

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Erscheinungsbild

Neptunsgras sieht unserem gewöhnlichen Gras an Land sehr ähnlich. Es hat abgeflachte, bandförmige, lange Blätter, die bis zu 120 cm lang und 1 cm breit werden. 
Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man 13-17 parallel verlaufende, zarte Nervenlinien, die sie als echte Pflanze enttarnt. 
Vier bis sechs, manchmal bis zu zehn Laubblätter stehen gebündelt zusammen. Während der Blütezeit im Frühsommer bildet es eine bis zu 15 cm lange Blütenlandschaft mit grünen Blütenblättern, und die Früchte sind eiförmig.
Die Blüten sind zwischen den Blättern nur sehr schwer erkennbar, weil sie ebenfalls grün und unscheinbar aussehen. 


Natürliche Feinde

Keine natürlichen Feinde, aber menschengemachte Gefahren: Verbauung, Industrie, Tourismus, Bergbau, Fischerei, Aquakultur, Salinitätsschwankungen, erhöhte Wassertemperatur, Schiffsverkehr, Abwässer, Wasserverschmutzung


Gefährlich/Giftig

Neptunsgras ist weder gefährlich noch giftig. Wenn man sich sehr ungeschickt anstellt, können die silikathaltigen Blätter einen eventuell wie Papier schneiden.


Skizze

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1. Bandförmige, lange Blätter

2. Wurzelsprosse


Pro Tipps

Das Neptungras kann stolz von sich behaupten ein Relikt der Tethys zu sein, die vor 200 Millionen Jahren fast ganz Europa bedeckt hat.  
Die größte und älteste Seegraswiese wächst übrigens zwischen den balearischen Inseln Formentera und Ibiza: sie ist unglaubliche 8 Kilometer lang und über 100 000 Jahre alt. Sie wurde deshalb auch 1999 zum UNESCO Welterbe gekürt. 

 

Neptunsgras hat überdies auch noch eine enorm wichtige Rolle im Ökosystem: neben der Sauerstoffproduktion, die übrigens ca. 5 mal größer ist, als die des Regenwaldes, bietet Seegras Heimat und Schutz für über 400 Algenarten und mehrere tausend Tierarten heimisch. Jungtiere finden darin Schutz vor Feinden und Gezeiten und sein weites Wurzel-Labyrinth festigt das Sediment. 

 

Es wächst besonders gerne an leicht geschützten Standorten mit feinem Sand und guter Zirkulation, manchmal sogar auf Felsblöcken. Die vertikale Tiefenausdehnung (also die Länge der Wurzeln) ist von der Hydrodynamik und der Menge an Licht abhängig. Deshalb können sich in geschützten Buchten und flacheren Bereichen ganze Riffe bilden, die bis kurz unter die Wasseroberfläche wachsen. Wenn das Wasser klar ist, dann findet man sogar noch in 50 m Tiefe kleine Seegrasflächen, weil das Sonnenlicht, das es für die Photosynthese braucht, bis in diese Tiefen dringt. 

 

Die Art ist aber aufgrund der Wassererwärmung stark rückläufig, ab 20°C sterben sie ab; ankernde Schiffe und Küstenverbauung setzen ihr ebenso zu wie Wasserverschmutzung. Eine einzige Motoryacht kann an einem Tag bis zu einem Hektar Seegras vernichten. Dies ist eine ökologische Katastrophe, denn das Neptunsgras bildet einen Brutraum für viele Fische, Schnecken und andere Tiere, und schützt die Küsten vor Erosion. Dadurch werden Strände nicht durch Wellen abgetragen. 


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Text: Carolina Leiter


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